Das Kennenlernen: So rockst du das Vorstellungsgespräch

6. Dein Vorstellungsgespräch: Der erste Eindruck zählt!

Vorbereitung:

Damit du am Tag des Gesprächs nicht in Hektik gerätst, solltest du schon ein paar Tage vorher mit der Vorbereitung beginnen.

Mach dich schlau!
Bestimmt wird man dich in dem Gespräch fragen, was du über den Ausbildungsbetrieb weißt. Daher solltest du dich vorab ausführlich über das Unternehmen informieren, zum Beispiel im Internet.

Lass deine Bewerbung lebendig werden!
Sicherlich wird man dir auch Fragen zu deiner Person stellen. Schau vorher noch einmal genau in deine Unterlagen und versuch, die Angaben über dich „mit Leben zu füllen“. Das kannst du am besten in Gesprächen mit deiner Familie und Freunden üben. Sie werden dir sagen, wenn etwas an deiner Schilderung steif und auswendig gelernt wirkt.

Analysiere deine Stärken und Schwächen!
Gut vorbereiten kannst du dich auch auf die Frage nach deinen Stärken und Schwächen. Mach dir dazu eine Liste und finde für jeden Punkt ein Beispiel. Versuch, auch deine Schwächen als im Grunde positive Eigenschaften darzustellen. Am wichtigsten ist aber: Dein Gegenüber möchte dich so kennenlernen, wie du wirklich bist – verstell dich nicht und bleib du selbst!

Dresscode: Kleider machen Leute
Für das Vorstellungsgespräch gilt: Du sollst dich nicht verkleiden, sondern kleiden – deinem Typ, dem Anlass und dem Unternehmen entsprechend.

Damit du entspannt in das Gespräch gehen kannst, musst du dich in deiner Kleidung wohlfühlen. Allerdings gibt es je nach Branche einen sogenannten „Dresscode“. Eher konservative Unternehmen wie Banken oder Versicherungen erwarten von ihren Bewerbern Kostüm oder Anzug mit Bluse bzw. Hemd. Bei einer Werbeagentur ist auch eine dunkle Jeans mit Bluse/Hemd und Blazer/Sakko erlaubt.

Bei den Schuhen solltest du zu einem schlichten, klassischen Modell greifen. Turnschuhe oder High Heels sind keine gute Idee! Und auch bei der Farbwahl gilt Zurückhaltung. Gedeckte Töne kommen besser an als Neonfarben. Natürlich muss das, was du trägst, sauber und gepflegt sein. Auch das Thema Körperpflege darfst du am Tag der Tage nicht vernachlässigen. Frisch geduscht und rasiert bzw. dezent geschminkt, mit einem frischen Atem und sauberen Fingernägeln vermittelst du dem Personaler gleich eine angenehme Erscheinung.

Nervosität: Kein Grund zur Panik
Der Termin deines Gesprächs rückt näher. Trotz guter Vorbereitung wirst du immer nervöser? Dann heißt es: Runterfahren! Kopf frei kriegen!
Am Abend vor dem Gespräch solltest du zeitig ins Bett gehen, damit du am nächsten Tag ausgeruht und fit bist. Leise Musik, ein warmes Bad oder Ähnliches helfen dir vielleicht beim Einschlafen. Am nächsten Morgen solltest du unbedingt etwas Gesundes und Nahrhaftes essen. Mit einem leeren Magen bist du im Gespräch nicht entspannt. Jetzt solltest du dich auch nicht mehr mit der Vorbereitung beschäftigen! Deine Kleidung muss griffbereit liegen, deine Unterlagen sollten sortiert in deiner Tasche sein. Wenn du es einrichten kannst, mach noch einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft.

Pünktlichkeit – das oberste Gebot!
Nichts ist ärgerlicher, als wegen einer zu knapp kalkulierten Fahrtzeit zu spät zum Vorstellungsgespräch zu kommen. Kein Personaler wartet gerne auf dich: Vielleicht entscheidet schon dieser Fauxpas darüber, ob du weiter im Rennen bist. Unpünktlichkeit ist nicht nur unhöflich deinem Gesprächspartner gegenüber, sondern auch unnötiger Stress für dich. Also: Vorher Route checken, früh genug losfahren, einen Zeitpuffer einbauen und fünf bis zehn Minuten vor der vereinbarten Zeit da sein! Jetzt noch den Kaugummi raus, das Handy ausschalten und tief Luft holen – dann kann es losgehen!

7. Ablauf - Die vier Phasen eines Bewerbungsgesprächs

Phase 1

Begrüßung und Gesprächseröffnung

Hier gilt es, auf den ersten Metern zu überzeugen und einen positiven Eindruck zu machen. Der beste Einstieg ist deshalb immer: Blickkontakt zu deinem Gegenüber aufnehmen

– Lächeln

– fester Händedruck

– höfliches Vorstellen mit deinem vollständigen Namen

– durch eine offene Körperhaltung Interesse signalisieren.

Phase 2
Fragen zum Unternehmen, Beruf und Bewerber

Dann geht es in die „heiße Phase“. Der Personaler wird dir Fragen zum Unternehmen, deiner Berufswahl und deinen persönlichen und fachlichen Qualifikationen stellen. Jetzt kannst du zeigen, was du drauf hast. Dabei darfst du ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein zeigen, dich aber nicht selbst überschätzen. Viele Personaler testen ihre Bewerber auch mit kniffligen Fragen, um zu sehen, wie souverän sie mit der Situation umgehen können. Hier heißt es: Ruhe bewahren und nicht aus dem Konzept bringen lassen!

Phase 3
Fragen des Bewerbers

Im Anschluss daran hast du die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen. Auch damit signalisierst du Interesse und zeigst, dass du dir eigene Gedanken zu deiner zukünftigen Ausbildung gemacht hast. Wenn du zum Beispiel wissen möchtest, wie die Ausbildung genau abläuft, wie der Berufsschulunterricht organisiert ist oder ob es Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Ausbildung gibt, dann solltest du danach auch fragen.

Phase 4
Gesprächsausklang und Verabschiedung

Am Ende des Gesprächs wird man dich darüber informieren, ob und wie es weitergeht und sich dann von dir verabschieden. Auch hier gilt: Verabschiede dich von deinem Gesprächspartner höflich und angemessen.


Typische Fragen im Vorstellungsgespräch

Fragen zum Unternehmen
Hier geht es darum, herauszufinden, wie ausführlich du dich mit dem Unternehmen auseinandergesetzt hast:

     ►Warum haben Sie sich bei uns beworben?
     ►Was wissen Sie über unser Unternehmen?
     ►Wie haben Sie sich über uns informiert?

Fragen zu deiner Berufswahl
Mit diesen Fragen versucht der Arbeitgeber, deine Selbsteinschätzung zu testen:

     ►Was interessiert Sie an diesem Beruf?
     ►Wie stellen Sie sich Ihre Ausbildung vor?
     ►Warum denken Sie, dass Sie für diesen Beruf geeignet sind?

Fragen zu deinem Lebenslauf
Im besten Fall lässt sich aus deinem Lebenslauf dein Interesse am Ausbildungsberuf ableiten:

     ►Können Sie uns etwas zu Ihrem schulischen Werdegang erzählen?
     ►Warum haben Sie sich für ein Praktikum als … entschieden?
     ►Wie gestalten Sie Ihre Freizeit? (Hier bitte keine strapaziösen Hobbys nennen!)

Fragen zu deiner Persönlichkeit
Diese Fragen zielen auf deine Sozialkompetenz ab, zum Beispiel Team- oder Konfliktfähigkeit und Kommunikationsvermögen:

    ►Wie beurteilen Sie sich selbst?
     ►Wie werden Sie von Ihren Klassenkameraden eingeschätzt?
     ►Was machen Sie, wenn Ihr Lehrer oder Ihr bester Freund anderer Meinung ist als Sie?

Umgang mit unzulässigen Fragen
Es gibt auch unerlaubte Fragen im Vorstellungsgespräch, auf die du keine (ehrliche) Antwort geben musst. Eine unwahre Antwort hat an dieser Stelle keine rechtlichen Konsequenzen für deine berufliche Zukunft. Am Geschicktesten ist es aber, darauf einfach mit der Gegenfrage zu reagieren, inwieweit diese Information wichtig ist
für deine Ausbildung. Unzulässig sind zum
Beispiel Fragen nach:

     ►deiner Familienplanung/einer bestehenden Schwangerschaft
     ►deiner finanziellen Situation
     ►deiner politischen Einstellung
     ►deiner sexuellen Orientierung
     ►deiner Religionszugehörigkeit


4 knifflige Fragen – und was du darauf antworten könntest

1. Was sind Ihre Stärken und Schwächen?
Hintergrund: Damit möchte der Personaler deine Selbsteinschätzung testen und sieht dabei auch gleich, ob du dich schnell aus der Ruhe bringen lässt. Versuch, Stärken zu nennen, die einen Bezug zu deinem Wunschberuf haben. (Hier zum Beispiel Handwerk)
♦Zu meinen Stärken gehört mein handwerkliches Geschick. Erst vor Kurzem habe ich unsere Gartenbank repariert. Eine Schwäche von mir ist, dass ich Fremden gegenüber am Anfang etwas zurückhaltend bin. Wenn ich sie besser kenne, taue ich aber sehr schnell auf.


2. In Ihrem Zeugnis sehe ich eine 5 in Mathe.
Können Sie mir das erklären?
Hintergrund: Bei schlechten Noten in einem Hauptfach ist es wichtig, diese gut zu begründen. Vor allem solltest du nicht die Schuld bei anderen suchen, sondern deine Lernfähigkeit und andere positive Leistungen in den Vordergrund stellen.
♦Leider gehört Mathe nicht zu meinen guten Fächern. Gerade zum Ende hin hat mir das theoretische Lernen wenig Spaß gemacht. Ich kann es einfach kaum erwarten, in den Beruf einzusteigen. Ich bin aber bereit, meine Defizite in der Berufsschule aufzuarbeiten.

3. Sie beschreiben sich als teamfähig.
Was genau verstehen Sie darunter?

Hintergrund: Sozialkompetenzen wie Teamfähigkeit etc. werden im Anschreiben häufig floskelhaft missbraucht. Jetzt gilt es, diese Fähigkeiten auch erklären und begründen zu können!
♦Für mich bedeutet Teamarbeit, gemeinsam Aufgaben zu lösen. Dabei soll jeder seine Fähigkeiten einbringen. Im Team sollte man die Meinung der anderen akzeptieren und gemeinsam nach einer Lösung bei Problemen suchen.
   
4. Wie gehen Sie mit Stress um?
Hintergrund: Für den Arbeitgeber ist es sehr wichtig einschätzen zu können, wie sich sein Mitarbeiter unter Zeitdruck verhalten wird.
♦Ich brauche sogar ein bisschen Druck und Stress, um richtig gut zu sein. Trotzdem bewahre ich einen kühlen Kopf und verliere nicht den Überblick. Ich leite in meiner Freizeit eine Theatergruppe. Da muss oft noch in der letzten Minute improvisiert werden.



Check:
Vorstellungsgespräch

► Du kannst die wichtigsten Fragen zum Ausbildungsunternehmen beantworten
► Du hast dich auf typische Fragen zu deiner Person und deiner Berufswahl vorbereitet
► Du hast dir eigene Fragen überlegt
► Deine Kleidung und deine Schuhe sind sorgfältig ausgewählt, sauber und ordentlich
► Deine Haare sind gewaschen, deine Zähne geputzt und deine Fingernägel sauber
► Du hast dich über den Anfahrtsweg informiert und genug Zeit dafür eingeplant
► Du erscheinst möglichst zehn Minuten vor Beginn des Gesprächs im Unternehmen
► Du hast dein Einladungsschreiben, deine Bewerbungsunterlagen, eine Liste mit
    eigenen Fragen sowie Block und Stift für Notizen dabei

8. Auswahlverfahren - Willkommen im Recall!

Der Einstellungstest: Was und warum?

Mit einem schriftlichen Einstellungstest möchten die Personalverantwortlichen mehr über deine Stärken und Schwächen rausfinden. Es kann sein, dass du dafür einen besonderen Termin erhältst. Vielleicht musst du auch direkt beim Vorstellungsgespräch spezielle Fragen beantworten. Im Einstellungstest werden dir Aufgaben aus verschiedenen Bereichen gestellt.

Was wird abgefragt?
Grundsätzlich hat jedes Unternehmen seinen eigenen Test mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Manche Bereiche und Aufgaben tauchen aber immer wieder auf.
Der „allgemeine Kenntnistest“ fragt dein Schulwissen in Fächern wie Politik, Geschichte oder Sozialkunde ab. Auch Rechenaufgaben können hier gestellt werden. Im Intelligenztest musst du dein logisches Denken unter Beweis stellen, indem du zum Beispiel Zahlen- oder Buchstabenreihen fortsetzt. Wie schnell und gründlich du Aufgaben unter Zeitdruck erledigen kannst, wird im Konzentrationstest geprüft. Oberste Regel: Lass dich nicht stressen! Oft sind die Aufgaben so gestellt, dass du sie in der vorgegebenen Zeit gar nicht schaffen kannst. Zusätzlich setzen manche Ausbildungsunternehmen auch einen „speziellen Fähigkeitstest“ an, in dem Aufgaben aus dem jeweiligen Berufsbereich gestellt werden.

Wie kannst du dich vorbereiten?
Für die allgemeinen Fragen des Einstellungstests ist es hilfreich, wenn du über aktuelle Entwicklungen Bescheid weißt: Lies Zeitung und schau dir die Nachrichten an!
Im Internet gibt es außerdem Beispiele für Einstellungstests mit Übungsaufgaben. Auf manchen Seiten findest du sogar Tests, die speziell auf deinen Ausbildungsberuf zugeschnitten sind. Bestimmt übt ihr auch in der Schule einmal einen Einstellungstest – frag einfach mal deine Lehrer!

Assessment-Center (AC):
Was ist das?
Im Assessment-Center, übersetzt „Beurteilungszentrum“, möchten Unternehmen mehr über die Eigenschaften ihrer Bewerber erfahren. Dazu werden mehrere Kandidaten zeitgleich eingeladen, um im Team oder einzeln bestimmte Aufgaben zu erledigen. Ein AC dauert meistens ein bis zwei Tage.

Warum wurdest du eingeladen?
Dass du im AC weiter geprüft wirst, ist ein gutes Zeichen: Es bedeutet, dass du für das Unternehmen als Azubi infrage kommst. Durch die Beobachtung der Bewerber in berufsnahen Situationen sollen ihre Stärken und Fähigkeiten erkannt werden. Je nachdem, welche Anforderungen der gewünschte Beruf an die zukünftigen Mitarbeiter stellt, wird dabei auf unterschiedliche Eigenschaften Wert gelegt.

Wie läuft ein Assessment-Center ab?
Das Assessment-Center wird von geschulten Mitarbeitern oder Psychologen durchgeführt. Sie beobachten die Bewerber und analysieren ihr Verhalten bei der Erledigung verschiedener Aufgaben. Dabei geht es nicht nur um die Lösung an sich, sondern auch um den Weg dorthin: Wie konzentriert ist welcher Bewerber, wie geht er mit den anderen um? Wer übernimmt bei Gruppenaufgaben die Führung, wer zieht eher im Hintergrund die Fäden? Diese und viele weitere Informationen möchten die Beobachter über euch erfahren.

Typische Aufgaben und Arbeitsweisen
Einige der häufigsten Aufgaben sind Denk- und Rollenspiele sowie Gruppendiskussionen. Ein Klassiker ist die sogenannte Postkorbübung: Jeder Bewerber erhält mehrere Dokumente, die in einer sehr knappen Zeit bearbeitet werden müssen. Hier kannst du beweisen, wie gut du dich konzentrieren und organisieren kannst. Es gilt, einen kühlen Kopf zu bewahren, Prioritäten zu setzen und Entscheidungen zu treffen.
Auch eine Selbstpräsentation, ein Kurzvortrag und viele weitere Aufgabentypen sind denkbar.

Wie kannst du dich vorbereiten?
Im Internet findest du viele AC-Tests zum Üben. Nimm dir auf jeden Fall etwas Zeit und informier dich! Je mehr du weißt, was dich erwartet, desto sicherer gehst du ins Assessment-Center – und desto leichter kannst du dich von deiner besten Seite zeigen.